Hallo ihr Lieben!
Ich hoffe es geht euch allen gut <3 Jetzt folgt ein langer Text – jammern ist nicht angesagt, aber ein bisschen REALISMUS. Wer es verträgt darf bis zum Ende lesen!

Ich bin momentan etwas wenig online präsenter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass ich immer noch an meinen Fuß herumdoktern muss und zum anderen an den ganzen administrativen Tätigkeiten.

Wie jetzt? Die näht doch nur? Die hat doch nur ein Kleingewerbe?

Das werden sich jetzt einige denken. ABER  so einfach ist das auch nicht! Wenn man in Deutschland ein Gewerbe angemeldet hat, ist man nicht nur dazu verpflichtet Abgaben zu zahlen, wie zb. an die HWK, sondern auch Rechnungen zu schreiben und dazu eine Steuererklärung zu machen. Auch ein Kleingewerbe wie meines kommt da nicht drum herum. Damit ist aber jedes Jahr zu rechnen … also keine Überraschung! Was mich jedoch gerade aus der Bahn geworfen hat ist die neue DSGVO und die Folgen.

Die WAS?
DSGVO Datenschutz-Grundverordnung
Keine Frage – definitiv sinnvoll. Denn wir alle wissen mittlerweile, unsere Daten sind ein sehr sensibles Gut. ABER auch definitiv noch nicht so wirklich ausgereift UND für kleine Unternehmen, wie meine One-Man-Show auch ein richtiger Batzen Aufwand. Ich habe das Gefühl nicht nur Geschäftsleitung, Produktion, Vertrieb, Marketing sondern nun auch noch Rechtsabteilung zu sein.

Und dabei bezahle ich schon monatlich Rechtsanwälte dafür, meine Rechtstexte (AGBs etc.) auf dem neusten Stand zu halten – aber auch das reicht nicht aus um wirklich sicher zu sein vor den ganzen Abmahnungen.

Ansage des mich beratenden Anwalts: „Wir rechnen mit jeder Menge Abmahnungen gegen kleinere Shops die die DSGVO nicht 100% umgesetzte haben zum Stichtag“

Na toll, wie ermutigend!

Und glaubt mir, dieses neue Gesetz hat es echt in sich. Ich muss nicht nur genau wissen, was mit den Daten gemacht wird, sondern auch was für Tools laufen. Bei denen wiederrum muss ich mir sehr sicher sein, was geloggt wird von den Daten. Ist es wirklich nur die IP-Adresse oder gehen auch andere Daten rüber? Sobald Drittsysteme, Plugins oder Provider ins Spiel kommen wird es schon kompliziert. Kommentare im Blog nachverfolgen? Oh besser nicht! Da fliesen Daten! Newsletter? Schnell die Texte auf die aktuelle Gesetzeslage umstellen! Gut das Double-Opt-In schon fast zum Standard gehört. Instagram Plugin? Vorsicht! Share Button von Facebook auf dem Blog oder deinen Artikeln? Autsch – prüfe lieber noch mal das Verfahren. Ist es auch 2-Klick? Und was zum Kuckuck ist ein Verarbeitungsverzeichnis?

Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Will man wirklich (halbwegs) sicher sein, muss man sich bei den ganzen Themen schon selber rein fuchsen.

Unabhängig von der DSGVO: wusstet ihr das es ein Textilkennzeichnungsgesetzt gibt? Das schreibt mir ganz klar vor, wie ich die Materialen in meinen fertigen Produkten zu bezeichnen habe. Auch sinnvoll. Schließlich will ich ja auch wissen, aus was meine Kleidung besteht. ABER nicht sinnvoll ist es, dass die Abmahnvereine jeden kleinsten Rechtschreibfehler anklagen dürfen. Fehlt ein Prozentzeichen in der Produktbeschreibung? Hast du die prozentualen Anteile nicht absteigend sortiert? Gar einen Fehler in der Beschreibung? „Bumwolle“ anstatt „Baumwolle“?
Da kann schon einmal eine Abmahnung in den Briefkasten flattern, der einige Hundert Euros kosten Und wenn man dann nicht einen gegnerischen Anwalt beauftragt – der natürlich auch Geld kostet – auch eine spätere Vertragsstrafe nach sich ziehen, die in den hohen vierstelligen Bereich geht.
Das ist für mich in absolut nicht angemessen.

Und die Textilkennzeichnung ist da bei weitem nicht der einzige Punkt. Es gibt unendlich viele Stolpersteine und je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr Paranoia baut sich auf. Eigentlich können „sie„ immer was finden. Herzklopfen bei jedem Brief im Kasten, der irgendwie offiziell aussieht ist an der Regel.

Kleine Gewerbetriebende haften schließlich mit ihrem privaten Vermögen. Viele haben deswegen schon ihre Segel gestreckt. Grandiose, tolle Handmade Label haben einfach zu gemacht. Warum?

Zu viele Kosten drumherum, zu viele neue Gesetze und zu viele Abmahnungswellen, zu viel Risiko.
Dazu kommt der sinkende Umsatz, den XY macht es ja günstiger. Aber über Fehlkalkulationen, nicht angemeldete Gewerbe und T-Shirts in Modeläden für 2,50 € könnte ich mich jetzt noch einmal endlos aufregen.

Will ich aber nicht, denn ich habe noch so genug zu tun. Mit dem Nähen?

Nein damit meine Produkttexte zu überarbeiten, meine Einstellungen zu ändern, Funktionen zur Sicherheit von meiner Website zu nehmen, bevor die DSGVO in Kraft tritt. Rechtstexte zu kontrollieren und meine Fotos durch zu sehen ob auch ja kein Mensch darauf zu sehen ist.

Noch halte ich durch, aber zwei Shops habe ich schon geschlossen – der Aufwand rechtfertigt den Nutzen nicht.

Wer es bis hierhin geschafft hat zu lesen: DANKE fürs zuhören!
Bleibt mir einfach weiter treu – wenn ich den ganzen „Papierkram“ halbwegs hinter mir habe wird es auch wieder kreativ – versprochen! Ich freue mich jedenfalls auf den Tag, an dem ich mal wieder etwas andere im Kopf habe als den ganzen Administrations Kram und endlich mal wieder

„nur Nähen“ kann.

Eure
Janina